Bei einer Ehescheidung werden vor Gericht nicht nur die eigentliche Scheidung, sondern im Allgemeinen auch der Versorgungsausgleich, der Zugewinnausgleich, die Vermögensauseinandersetzung, das Sorgerecht, der Kindesunterhalt, der nacheheliche Unterhalt geregelt. In Familiensachen besteht Anwaltszwang. Steuerlich absetzbar waren seit 2005 die Anwalts- und Gerichtskosten jedoch nur für die eigentliche Scheidungssache und den Versorgungsausgleich, nicht jedoch für familienrechtliche und vermögensrechtliche Regelungen im Zusammenhang mit der Ehescheidung, die sog. Scheidungsfolgesachen.

AKTUELL haben drei Finanzgerichte trotz des Nichtanwendungserlasses die BFH-Rechtsprechung auf Scheidungsfolgesachen übertragen und auch Anwalts- und Gerichtskosten für Zugewinnausgleich, Kindesunterhalt, nachehelichen Unterhalt, Wohnungsräumung als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EStG anerkannt (FG Düsseldorf vom 19.2.2013, 10 K 2392/12 E; FG Schleswig-Holstein vom 21.2.2012, EFG 2013 S. 524; FG München vom 5.3.2012, EFG 2013 S. 290).

Die Richter betonen, dass das Recht der Ehe (Eheschließung und -scheidung einschließlich der daraus folgenden Unterhalts-, Vermögens- und Versorgungsfragen) allein dem staatlich dafür vorgesehenen Verfahren unterliegt. Ein anderes, billigeres Verfahren steht Eheleuten zur Beendigung einer Ehe nicht zur Verfügung. Dieses Rechtsstaatsprinzip würde verletzt, wenn die steuerliche Absetzbarkeit von Anwalts- und Gerichtskosten auf die reine Ehescheidung und den Versorgungsausgleich begrenzt wäre. Vielmehr seien auch die vermögens- und unterhaltsrechtlichen Regelungen durch die Ehescheidung veranlasst und deshalb die entsprechenden Prozesskosten steuerlich absetzbar.